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Warum ich die Rotation nicht in der Post gemacht habe!

14. January 2026 DOP Matthias Groß

Über Entscheidungen, Rigs und den Wert physischer Lösungen

Eines Tages kam ein Anruf von René Rodlauer.
Musikvideo. Künstlerin: Lisa Pac. Songtitel: Rotation.
Idee: driftende Autos.
Zeitrahmen: sehr kurz.

Ob ich dabei bin?
Ja.

Wie so oft begann der Prozess mit einem kompakten Scouting und mehreren Ideenrunden. Während dieses Ping-Pongs kristallisierte sich bei mir relativ früh ein bestimmtes Bild heraus: sehr nah an der Künstlerin, ein langsamer Zoom in eine extreme Superweite, während sich die Kamera gleichzeitig um die Z-Achse dreht.

Der Song heißt Rotation. Die Idee ist weder besonders subtil noch konzeptionell neu. Aber sie war visuell klar – und in meinem Kopf funktionierte sie.

Entscheidung gegen die Postproduktion

Der naheliegendste Weg wäre gewesen, das Ganze pragmatisch zu lösen: hochauflösender Sensor, moderater Zoom, Rotation später in der Post. Technisch problemlos, produktionell effizient.

Dennoch fühlte sich dieser Ansatz für mich falsch an. Zum einen wegen des unvermeidbaren Croppings, zum anderen aus einem eher schwer messbaren Grund: Es wäre eine rein digitale Behauptung von Bewegung gewesen, keine physische.

Warum physische Kameraeffekte anders wirken

Da mir zu diesem Zeitpunkt weder ein Skaterscope noch ein vergleichbares System zur Verfügung stand, habe ich das Thema an AVPro herangetragen. Dort kennt man meine Neigung zu Anforderungen, die man höflich als „ungewöhnlich“ bezeichnen könnte – meist nicht aus Selbstzweck, sondern weil sie sich aus einem konkreten Bild oder einer formalen Notwendigkeit ergeben.

Die Aufgabenstellung war klar definiert:

  • sehr langer, elektronisch steuerbarer Zoom
  • gleichzeitige, ebenfalls elektronisch gesteuerte Rotation der Kamera um die Z-Achse

Die erste Rückmeldung war erfreulich unaufgeregt:
„Reicht ein 40-fach Zoom? Etwa 14–560 mm?“

Das Rig – Technik als Mittel, nicht als Show

Nach einigen Tests und Anpassungen entstand daraus ein kompaktes, aber keineswegs leichtes Setup:

  • ARRI Alexa Mini
  • Canon HJ40x14B 14–560 mm
  • Tilta Roll Rig
  • Funkschärfe

ARRI Alexa Mini mit B4-Optik

Durch den wechselbaren B4-Mount der Alexa Mini ließ sich die ursprünglich für Broadcast- und Live-Anwendungen konzipierte Optik zweckentfremden. Damit kamen zwangsläufig einige technische Herausforderungen: Gewicht, Trägheit, Kalibrierung, Belastung der Motoren.

Zoom, Rotation und Motorlast

Die Testphase war entsprechend pragmatisch, stellenweise auch unerquicklich, aber zielführend.

Am Ende funktionierte das System zuverlässig – trotz erheblicher Massen, die während der Rotation bewegt wurden.

Aufwand vs. Screentime – eine bewusste Entscheidung

Entscheidender für mich war jedoch ein anderer Aspekt: Die Lösung war physisch. Der Zoom, die Rotation, die Bewegung im Raum – all das fand real statt, vor der Kamera, nicht nachträglich im Rechner.

Im finalen Video nimmt diese Einstellung nur wenige Sekunden ein. Objektiv betrachtet steht der Aufwand in keinem linearen Verhältnis zur Screentime. Subjektiv ist genau das der Punkt: Bilder entstehen nicht ausschließlich aus Effizienz, sondern aus Haltung. Aus der Entscheidung, wie man etwas zeigen will – und warum.

Für mich ist diese Art der Arbeit nur möglich, wenn alle Beteiligten bereit sind, Dinge auszuprobieren, zu testen und Lösungen zu bauen, die nicht aus dem Katalog kommen. Nicht aus Romantik, sondern aus Interesse am Bild.

Und genau darum geht es mir.

Autor: DOP Matthias Groß I www.floorislava.eu

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